2. Kapitel: Der Islam
Einleitung
Wenn die, bislang auf dem Boden einer Jahrhunderte währenden Tradition
überwiegend christlich geprägte Bevölkerung Deutschlands – als Teil des
christlichen Abendlandes – in den Jahrzehnten des ausgehenden 20. und des
bereits begonnenen 21. Jahrhunderts, mehr oder weniger zufällig Kontakt zu
irgendeiner der anderen großen Weltreligionen aufgenommen hatte, dann
war es, bedingt durch die ab Mitte der 60er Jahre einsetzende Gastarbeiter-
Einwanderung von Türken, der Islam, denn die vorher eingewanderten ‘Gastarbeiter’
kamen fast ausschließlich aus den christlich geprägten Staaten Südeuropas,
von Portugal bis Griechenland. …
… Insgesamt ca. 5,5 Mio. Türken – bzw. Muslime aus den Maghreb-Ländern
und aus weiteren Ländern des Vorderen Orients – leben im Jahr 2017 in
Deutschland. In diesem Bereich gibt es allerdings eine hohe Dunkelziffer
der nicht registrierten Flüchtlinge, die seit einigen Jahren, aktuell seit Mitte
des Jahres 2015, nach Deutschland strömen. Mit dieser Einwanderung wurde
nicht nur der Islam als Weltreligion – mit all seinen Grundwerten in Bezug
auf seine Religionsausübung – sondern auch als Gesellschaftsmodell mit
seinen Facetten und Schattierungen der unterschiedlichsten Couleur, die sich
auf das tägliche Leben auswirken, nach Deutschland getragen.
Das Bild der großen und auch der kleineren Städte veränderte sich im Laufe
der letzten Jahre schnell und zusehends. Es entstanden türkisch/arabisch geprägte
Stadtbezirke mit ihren Geschäften, Gemüseständen, Shisha-Bars und
Döner-Kebap-Geschäften und -buden. In der deutschen Gesellschaft entstand auch eine gewisse Verunsicherung durch türkische Massenveranstaltungen,
die dem Zweck der Pareipropaganda für die AKP dienten. Ebenso belasteten
diverse Veränderungen im Lehrbetrieb der allgemeinbildenden Schulen mit
dem Ruf nach ‘Islamunterricht’, mit Ausnahmeregelungen im Sportunterricht
und in der Verpflegung (betr. die traditionellen ‘deutschen Würstchen’) und
dem sog. ‘Kopftuchstreit’ das bisher ausgewogene öffentliche Gesellschaftsklima.
Deutlich sichtbar veränderte sich das Städtebild durch den Bau von Moscheen
und Koranschulen. Auch das allgemeine, bis dahin westlich geprägte Bild
der einkaufenden oder flanierenden Passanten änderte sich in auffälliger
Weise durch islamisch gekleidete, gelegentlich vollkommen schwarz vermummte
Frauen.
Die Einbürgerung in die deutsche Gesellschaft erwies sich jedoch aus mehreren
Gründen erheblich problematischer als die Einbürgerung der Gastarbeiter
aus den europäischen Mittelmeerländern, die ab Mitte der 50er Jahre aus Italien,
Griechenland, Spanien und Portugal nach Deutschland kamen und von
zu Hause ein traditionell christlich geprägtes Weltbild mitbrachten, das dem
deutschen weitgehend entsprach. Am 20. Dezember 1955 war unter Adenauer
in Rom das erste Anwerbeabkommen mit Italien geschlossen worden, dem
weitere mit den anderen Mittelmeerländern folgten.
Zu den hervorstechendsten Gründen für die Probleme mit der türkisch-muslimisch-
arabischen Bevölkerung zählen sowohl die Sprachbarrieren und ein
islamisch geprägtes Kulturverständnis, als auch das paternalistische Familienkonzept
mit einem speziellen, der westlich-aufgeklärten Gesellschaft unbekannten
und unverständlichen Ehrenkodex und letztlich der islamische,
gelegentlich fundamentalistisch gefärbte Glaube an Allah, der zu allem Überfluß
noch in zwei sich gegenseitig bekämpfenden Versionen, den Schiiten
und den Sunniten und weiteren Untergruppierungen, daherkommt. Als besonders
problematisch erwiesen sich die Missionierungsabsichten der Salafisten
und in letzter Zeit die bedrohlichen terroristischen Aktionen (IS etc.) –
nicht nur auf gesamteuropäischem sondern auch speziell auf deutschem Boden.